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Das Goetheanum auf dem Dornacher Bluthügel

«Wie zerhacktes Fleisch» fühlte er sich. So beschrieb Rudolf Steiner seinen eigenen Zustand beim Aufwachen auf dem Dornacher Bluthügel am 3. Oktober 1912. Wie zerstört soll er an jenem Morgen aus seinem Zimmer getreten sein, nachdem er erstmals auf dem späteren Goetheanum-Gelände, in Dr. Grossheintz’ Landhaus in Dornach übernachtet hatte. Es schien klar, dass er Schweres von seiner Seele abschütteln musste. Der Begründer der anthroposophischen Bewegung, der zu den bedeutendsten Eingeweihten unserer Epoche gehört, scheint in jener Nacht die ihn erwartenden Ereignisse auf dem «Bluthügel» vorauserlebt zu haben. Dessen ungeachtet liess er seinen Sakralbau, das Goetheanum, in der Schweiz, auf dem ihm vom Basler Zahnarzt Grossheintz zur Verfügung gestellten Gelände erstellen, und nicht wie ursprünglich geplant in München.

Zehn Jahre und drei Monate nach jener traumschweren Nacht, ging am 31. Dezember 1922 die Herrlichkeit in einem Riesenfeuer auf, und dies in dem Zeitpunkt, als der monumentale Holzbau nahezu fertiggestellt war. Bis nach Basel und über die Jurahöhen hinweg leuchtete gespensterhaft der gewaltige Feuerschein.

Während des bereits schwelenden Brandes hielt Rudolf Steiner einen eindringlichen Vortrag über akute Gefahren der Degeneration der Anthroposophen. Das Feuer war bereits gegen Abend gelegt worden – höchst wahrscheinlich von einem der ursprünglich am Bau beteiligten Architekten, der sich inzwischen einer grossen Religionsgemeinschaft angeschlossen hatte. Erst nach dem Ende des Vortrags wurde der Brand entdeckt. Zu spät. Bald stand der Bau im Vollbrand. Der Eingeweihte hatte auf seine Fähigkeiten der rechtzeitigen Wahrnehmung zum Selbstzweck verzichtet.

Ein Jahr später, am 31. Dezember 1923, wurde Rudolf Steiner zum Abschluss der von den Anthroposophen so viel und gerne zitierten Weihnachtstagung gemäss übereinstimmender Aussagen mehrerer Zeugen vergiftet. Diese Vergiftung dürfte der Hauptgrund für seinen physischen Zusammenbruch am 29. September 1924 gewesen sein, von dem er sich nicht mehr erholt hat. Er verstarb am 30. März 1925. Sein Wunsch, auf dem Goetheanum-Gelände beigesetzt zu werden, wurde von den Funktionären gröblichst missachtet. Sie liessen den Leichnam verbrennen – vielleicht auch, um mögliche Spuren der Vergiftung endgültig zu beseitigen. Die behauptete und für eine Kremation erforderliche Obduktion kann nicht stattgefunden haben. Das für die Kremation eingereichte Dokument scheint fingiert zu sein.

Im Anschluss an die Kremation begann der Streit um die Asche zwischen massgeblichen Führungspersönlichkeiten der Anthroposophischen Gesellschaft. Weitere Streitereien innerhalb des Vorstandes führten ab 1935 sogar zum Ausschluss von Vorstandsmitgliedern und 1950 dazu, dass im Goetheanum keine Bücher von Rudolf Steiner mehr erhältlich waren.

Damit war ein weiterer Höhepunkt des geistig-kulturellen Infernos in Dornach erreicht. Mit z.T. kühler Berechnung trieben die Vorstände der Dornacher Weltgesellschaft den Geist Rudolf Steiners aus. Man geht sicher nicht fehl mit der Annahme, dass gewisse Kreise es Rudolf Steiner übel nahmen, die von ihnen zuvor exklusiv verwalteten und behüteten Geheimnisse der geistigen Welt nun jedem Normalsterblichen zugänglich gemacht zu haben. Nach Rudolf Steiners Tod begannen diese Kräfte durch die Funktionäre der Anthroposophischen Gesellschaft die Geisteswissenschaft wieder aus der Welt zu schaffen, indem sie diesen Kulturimpuls zum Kuriosum einer okkulten Sekte degradieren liessen. Demgegenüber wurden Waldorfschulen, Eurythmie, erweiterte Heilkunst usw. im Umkreis der Gesellschaft zwar gefördert, gleichzeitig aber zunehmend korrumpiert.

Die Gesellschaft wurde besonders gegen das Ende des 20. Jahrhunderts auf die politischen Ideologien der Neuen Weltordnung getrimmt. Der langjährige Vorsitzende Schmidt (Brabant) proklamierte dazu die «Neue Gesellschaft». Alle Verhältnisse sollten «erneuert» werden. Probleme gab es beim spektakulären Umbau des grossen 1000plätzigen Saales im Goetheanum. Denn noch immer lagerte die Asche Rudolf Steiners und vieler seiner Schüler wie z. B. Christian Morgensterns im Goetheanum. Und alleine die Anwesenheit dieser sterblichen Überreste schien den auf 1998 geplanten skandalösen Saalumbau zu verhindern.

Wen wundert es, dass in dieser Situation zwei von der «Neuen (Welt-)Ordnung» inspirierte Funktionäre 1987 den «Geistesblitz» hatten, den Inhalt von inzwischen über 1000 im Goetheanumbau gelagerten Urnen «der Erde zu übergeben». In der Folge wurden sämtliche nicht zurückgeforderten Urneninhalte in Holzkisten geschüttet und ausserhalb des Goetheanums verscharrt. Das unwürdige Geschehen wurde als platzbedingte Massnahme, die «in Einklang mit den okkulten Erfordernissen» stehe, propagiert. «Unverhofft» kam sogar noch der Vorschlag, auch die Asche Rudolf Steiners zu bestatten. Als eine Art Schlussakt «übergab» man deshalb am 3. November 1992, gänzlich unangekündigt und vor Sonnenaufgang, einzig in Anwesenheit der damaligen Vorstandsmitglieder der Anthroposophischen Gesellschaft, die Asche Rudolf Steiners «der Erde». In den Wochen und Monaten nach dieser Nacht-und-Nebel-Aktion wurde genau über der Stelle, wo nun die Asche Rudolf Steiner lag, ein Gedenkstein behauen. Das abgeschlagene Abfallmaterial spülte der Steinmetz jeden Abend mit einem Schlauch ins Grab.

Rückblickend stellte vor einigen Jahren der damalige Leiter des Saalumbaues fest: «Im Sommer und Herbst 1992 war (…) das Saalprojekt an einer Klippe hängengeblieben und kam nicht weiter. (…) Auch andere Veränderungen im Hause [Goetheanumbau] waren schwierig. Ende November 1992 gelang (…) der Durchbruch, sowohl für die Planung des Saales und auch für anderes. Dem war (…) ein Ereignis vorausgegangen, das in keiner Weise wahrnehmbarer aber entscheidender Weise die elementarische Atmosphäre des Goetheanums verändert hatte: Die Asche von Rudolf Steiner wurde im Urnenhain der Erde übergeben, die letzten Urnen waren aus dem Goetheanum heraus. Seither gingen Veränderungsprozesse im Goetheanum freier und geradliniger vorwärts. Einer davon ist der grosse Saal.»

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Der Bluthügel bei Dornach ist in verschiedener Hinsicht ein Ort des Grauens. Zum einen erinnert sein Name eindringlich an die blutige Schlacht bei Dornach vom 22. Juli 1499. In dieser letzten Schlacht des Schwabenkriegs besiegten die Eidgenossen Kaiserliche Truppen unter Heinrich von Fürstenberg. Allein unter den Kriegern forderte das Gemetzel rund 4000 Tote. Nicht zu sprechen von den schrecklichen Folgen, den Verwüstungen, dem Elend und Leid der betroffenen Zivilbevölkerung, vorab Frauen, Kindern, Alten und Kranken.

Doch schon zuvor soll diese Gegend, insbesondere die direkt dahinter liegende Eremitage (Arlesheim), ein bedeutungsvoller Ort in der (okkulten) Menschheitsgeschichte gewesen sein. Ein anthroposophischer Autor, dessen Werke über Jahrzehnte von eben dieser Anthroposophischen Gesellschaft unterdrückt worden sind, weist sehr einleuchtend nach, dass u.a. das von Wolfram von Eschenbach überlieferte und von Richard Wagner vertonte Gralsgeschehen (Parzival) sein Zentrum, die Gralsburg, gerade im Gebiet dieser Eremitage hatte. Und jener Autor, Werner Greub, glaubt sogar, urchristliche Ereignisse aus dem 4. Jahrhundert an diesem (verborgenen) Ort nachweisen zu können.*

Sollte man daraus nicht schlussfolgern, dass sich dieser bedeutende und geweihte Ort durch die "Nachfolger" Rudolf Steiners zum Gegenpol der Grals-Mysterien gewandelt hat – zu einem der Zentren der Klingsor-Mysterien? (Klingsor, der Gegner des Gralskönigs im Parzifal Wolfram von Eschenbachs) - von einem Ort des Lichtes zu einem Ort des Grauens?

Willy Lochmann, März 2005

(Textbeitrag für eine Buchveröffentlichung zum Thema Orte des Grauens)

Quellen: Diverse Presseorgane der Allgemeinen Anthroposophischen Gesellschaft; Christoph Lindenberg: Rudolf Steiner – Eine Chronik; Werner Greub: Wolfram von Eschenbach und die Wirklichkeit des Grals; Symptomatologische Illustrationen des Moskau-Basel-Verlags.

 

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