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Die  Urne Ita Wegmans in La Motta

Liane Collot d’Herbois schreibt: "Meine erste Begegnung mit Ita Wegman geschah während einer internationalen Sommertagung in England vor dem Weltkrieg. Es war eine grosse Teilnehmerschaft aus verschiedensten Ländern, darunter Dr. Elisabeth Vreede. Ita Wegman war voller Intentionen für verschiedenste Planungen betreffend zukünftiger Zusammenarbeit all dieser Menschen. Sie wünschte mich aus irgendeinem Grunde zu sehen, so betraten wir einen Raum, wo wir allein sprechen konnten. Der Raum war sehr gross und eher dunkel. An den Wänden hingen drei Bilder, die ich gemalt hatte. Wir traten ein und sprachen ein wenig, nach einer kleinen Weile drehte sie sich herum, und so fiel ihr Blick auf das Bild von Johannes dem Täufer. Sie näherte sich dem Bild, betrachtete es während einer längeren Weile, dann sagte sie: "Ich bin frappiert, ich bin frappiert!" Ich glaube, dass, als sie diese Malerei derart betrachtete, sie etwas erlebt haben muss, da sie anschliessend alle ihre vorherigen Intentionen und Pläne änderte. Alle bereits gefassten Entschlüsse wurden weggewischt und das Gegenteil von dem, was sie geplant und beabsichtigt hatte, tat sie nun. Es brauchte viel Mut, um allen Beteiligten diesen Wechsel zu Neuem anzukündigen, ohne den Grund dafür klar angeben zu können; das Resultat erwies sich jedoch anschliessend als sehr positiv. Sie war so tief überzeugt und mit Sicherheit erfüllt von dem, was sie an dieser Malerei erlebt hatte, dass es alle vorherigen Entschlüsse änderte. Und sie beharrte darauf; niemand konnte ihre Meinung erschüttern.

Sie frug mich, ob ich nach Ascona kommen möchte, um mit ihr dort zu leben. Dort angekommen und eingerichtet, erzählte sie mir von einer kleinen Kapelle in Brissago, die sie sich auserwählt hatte als den Ort, in dem ihre Asche aufbewahrt werden sollte. Sie wünschte, dass ich das Ausmalen des Kapelleninneren übernähme. – So stellte ich Skizzen des Passionsweges her. Als ich sie ihr vorlegte, schaute sie diese lange an. Dann trat sie hinaus in den Garten und ging längere Zeit auf und ab. Schliesslich wandte sie sich zu mir und sagte: ‚Ja, das ist richtig, das ist es‘. (Anm. des Übers.: Diese Worte sind im englischen Text so auf deutsch angegeben.) …

Die Kapelle in Brissago ist ein Ort, von dem aus Ita Wegman wirken kann. Elisabeth Vreede verstarb, als ich am Fresko arbeitete – da malte ich gerade an der zweiten Passionsstufe; der Begegnung mit dem Hüter der Schwelle. Und ich war sehr froh – ich fühlte, ich tue es auch für sie. Denn sie und Ita Wegman sind beide vereint in dem Mysterium der christlichen Einweihung."

(Auszug aus einem Aufsatz im Heft des Ita Wegman Fonds, Michaeli 1990, Übersetzung Theo Erik, August 1997)

Ita Wegmans Urne wurde nach ihrem Tod in der Kapelle aufbewahrt. Inzwischen ist sie von dort entfernt worden. Der Übersetzer des obigen Artikels stellte dies im Mai 1997 anlässlich eines Besuches der Kapelle fest. Es wurde ihm dort mitgeteilt, dass die Asche unter ein Beet neben der Kapelle vergraben worden sei. – Wer dies nicht weiss, kann nicht erkennen, dass sich an diesem Orte nun die Asche befindet, da keinerlei Zeichen oder Inschriften gesetzt wurden. – Zur Begründung dieses Vorganges erklärte die Leiterin der ‘Motta’, es handele sich sicherlich um eine vernünftige Tat, "da Ita Wegman doch so naturverbunden gewesen sei. –

Der gesamte Vorgang bleibt vorläufig unbegreiflich, wurden doch so viele andere Aschenurnen im Kapellenraum an ihren Plätzen belassen. Zwei schriftliche Anfragen über die Hintergründe der Aschenentfernung aus der Kapelle blieben unbeantwortet, dagegen erhielt der Berichterstatter am 22. September 1997 einen Telefonanruf aus Dornach von der Leiterin von La Motta. Nachfolgend der Gesprächsinhalt.

Anruf von Frau Gaedke-Timm vom 22.9.1997, 11 Uhr Vormittags:

Sie sei jetzt in Dornach, habe wenig Zeit und möchte hiermit meine Briefe beantworten. – Ita Wegmans Asche sei auf Geheiss des Vorstandes des Klinisch-Therapeutischen Institutes bzw. Dr. Kübler und Dr. Gerretsen am 1. November (zu "Allerheiligen", "Allerseelen") 1996 in das nahestehende Blumenbeet umgesetzt worden – ein Gedenkmal sei in Vorbereitung.

Frage: Warum überhaupt diese Umsetzung?

Antwort: Es erschien natürlich, erstens durch die bekannte Naturverbundenheit von Ita Wegmans Seele, zweitens sollte der Ablauf von 30 Jahren für das beibehalten der Urnen im Kapellenraum als zeitliche Grenze gesetzt sein.

Frage: Welche Bedeutung haben da 30 Jahre?

Antwort: Man kann sich ja, wer will, genauere Informationen darüber bei Dr. med. Kübler und Dr. med. Gerretsen in der Klinik einholen.

Frage: Was hat der Vorstand der Allgemeinen Anthroposophischen Gesellschaft damit zu tun?

Antwort: Rein gar nichts. Als die AAG durch ihren Vorstand Ita Wegmans Aschenurne ins Goetheanum haben wollte, mit der Begründung, dass alle vorherigen Vorstandsmitglieder der AAG auf diese Weise vereint sein können, haben wir dies abgelehnt. Natürlich gibt es die Parallele der Umsetzung der Asche Rudolf Steiner zu jener Ita Wegmans aus der Kapelle. Ich sehe da aber keine Beziehung als höchstens im Gemeinsamen den Sinn der Übergabe an die Natur.

Frage: Ihnen ist doch sicher der Unterschied klar, ob eine Urne im Goetheanum, also der Hochschule für Geisteswissenschaft, aufbewahrt wird oder in einer speziell für diese bestimmten und aufwendig dafür hergerichteten Kapelle? Sie kennen sicherlich den Artikel von Collot d’Herbois in der Michaeli-Nummer 1990 des Ita Wegman Fonds, aus dem klar hervorgeht, dass Ita Wegman einem Rat Rudolf Steiners befolgend (jetzt schon einen Ort zu suchen für ihre Aschenurne) diese Kapelle aussuchte und zu diesem Zweck nach längerer Auswahl der Skizzen Collot d’Herbois’ dieser den Auftrag für die Erstellung des Freskos erteilte?

Antwort: Das kenne ich alles und wie gesagt, Sie fragen am besten den Klinikvorstand an, wenn es um solche Einzelheiten geht. Was mich natürlich belustigt bei Ihrem Aufwand an Erregung, ist, dass ich Sie, Herr Erik, während meiner 21 Jahre, wo ich die Leitung der Motta innehatte, kein einziges Mal gesehen habe, ausser im letzten Mai (Frau Gaedke-Timm lacht wiederholt während längerer Zeit). Die Säule (textuell) Ihre Bruders verbleibt vorläufig in der Kapelle, so wie auch die Urne Ihrer Mutter.

Frage: In dieser Angelegenheit geht es wohl allein um die Umsetzung der Asche Ita Wegmans, nicht um persönliche Dinge.

Antwort: Ich weiss, ich weiss, das Beste ist, Sie erkundigen sich beim genannten Klinik-Vorstand.

Frage: Wissen Sie etwas über die Aschenurne Frl. Dr. Vreede’s? Hat sich diese auch in der Kapelle befunden?

Antwort: Niemand weiss bisher, was aus dieser Urne geworden ist, wo sie sich befinden könnte; man ist weiter auf der Suche. In der Kapelle war sie nie.

Frage: Der springende Punkt, um den es bei dieser ganzen Sache geht, ist doch der, dass die Umsetzung der Asche Ita Wegmans stillschweigend geschah, also ganz willkürlich, ohne dass die Mitglieder der AAG von dieser Intention in Kenntnis gesetzt worden sind, auch später nicht, als die Umsetzung erfolgt war. Finden Sie nicht, Frau Gaedke-Timm, dass da etwas nicht stimmt?

Antwort: Darüber kann man allerdings nachdenken. Ich glaube, es wäre doch das Beste, Sie würden sich mit solchen Fragen direkt an den Klinik-Vorstand wenden.

Frage: Nun möchte ich Sie persönlich um Ihre Meinung darüber bitten, was eventuell für eine negative Sachlage entstanden wäre, wenn Ita Wegmans Aschenurne an ihrem Ort in der Kapelle belassen worden wäre? Man hätte doch sehr einfach, wenn es sich um eine Platzfrage gehandelt hätte, das Aufstellen von neuen Urnen ablehnen können, was in dieser kleinen Kapelle doch auch vernünftig gewesen wäre?

Antwort: Wir benutzen die Kapelle auch als Aufbahrungsort …

Frage: Betreffend Ihrer Aussage, Sie hätten mich in Ihren 21 Jahren der Motta-Leitung nicht gesehen, ausser im Mai letzten Jahres, wäre schon noch einiges anzuführen, dass z.B. vor Ihnen die Heimleitung so vergiftend wirkte, dass selbst eine Dr. med. Walter in Ascona geschworen hatte, keinen Fuss mehr in die Motta zu setzen, solange diese Heimleitung noch dort sei. Auch war ich während der genannten Zeit 15 Jahre im Westen. Es geht aber auch nicht um mich usw., sondern um Ita Wegmans Aschenurne.

Antwort: In diesen 21 Jahren hat sich meines Wissens eigentlich niemand um Ita Wegmans Asche gekümmert und jetzt wird auf einmal soviel Aufheben wegen dieser Umsetzung gemacht. Die Blumen blühen über dem Beet, ein Blumenstrauch ist besonders hoch gewachsen und trägt wunderschöne farbige Blüten…

Theo Erik, September 1997

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